An jüdische Dichterinnen erinnern

ein Bericht von Petra Jacob
Einen berührenden Abend erlebten alle Anwesenden, die am Mittwoch, 21. Januar 2026 der Einladung des Freundeskreises Wiehl-Jokneam ins Bielsteiner Burghaus gefolgt waren. Judith Dürr-Steinhart begrüßte zu dieser Gedenkveranstaltung in Kooperation mit der Konrad-Adenauer-Stiftung und dem Katholischen Bildungswerk des Oberbergischen Kreises. Die erste Vorsitzende des Partnerschaftsvereins wies nachdrücklich darauf hin, dass Gedenken in seinen unterschiedlichen Formen kein leeres Schlagwort sein darf. „Antisemitismus, Hass auf Menschen jüdischen Glaubens, Übergriffe und Anschläge sind in Deutschland wieder Alltag.“ Sie mahnte, „auf keinen Fall dem Verlangen nachzugeben, nicht mehr darüber zu reden“.
Mit dem lyrisch-musikalischen Programm „Angesichts der Katastrophe“ wurde an die Opfer des Nationalsozialismus kurz vor dem bundesweiten, gesetzlich verankerten Gedenktag (27. Januar) erinnert. Sowohl bekannte als auch fast vergessene jüdische Dichterinnen standen mit ihrem Werk im Mittelpunkt: Nelly Sachs, Gerty Spies, Rose Ausländer, Hilde Domin, Ilse Aichinger, Else Lasker-Schüler, Dagmar Nick, Gertrud Kolmar, Mascha Kaleko, Hannah Arendt.

Der Musiker, Komponist und Sänger Gernot Blume stellte jedem einfühlsam vorgetragenen vertonten Gedicht eine kurze Einführung voran. Ein Foto jeder Lyrikerin und ihre Lebensdaten ergänzten die Darstellung. Seine Frau Julie Spencer, ebenfalls Musikerin, bereicherte mit ihrem bildnerischen Werk. Die Vertonung und die Visualisierung des Textes in Schrift und Bild intensivierten die Wirkung der Lyrik.

„Lasst uns das Leben leise wieder lernen“ schrieb die deutsch-schwedische Schriftstellerin Nelly Sachs (1891 – 1970) in ihrem Gedicht „Chor der Geretteten“, das im Jahr 1946 veröffentlicht wurde. Das Gedicht thematisiert das traumatische Überleben und den schwierigen Neuanfang nach dem zweiten Weltkrieg. Die Lyrikerin Nelly Sachs erhielt 1966 den Nobelpreis für Literatur.

Auch Gerty Spies (1897 – 1997) gehörte zu den wenigen, die die Shoah überlebten. Das ausgewählte Gedicht „Des Unschuldigen Schuld“ entstand im KZ Theresienstadt, aus dem sie im Juni 1945 als eine der wenigen Überlebenden nach München zurückkehrte.

Das fröhlich lachende Bild der jungen Frau Selma Meerbaum-Eisinger berührte besonders. Geboren 1924 starb sie achtzehnjährig in einem Zwangsarbeiterlager. Ihr präsentiertes Gedicht „Lied“ ist eins von 57, das sie in ein kleines Büchlein schrieb und ihrem Freund Leiser Fichmann schenkte. Leiser gab den Gedichtband an Selmas Freundin Else in Czernowitz, bevor er mit dem Flüchtlingsschiff „Mefkure“ auf dem Weg nach Israel unterging. Leiser kam um, ohne zu wissen, dass Selma bereits tot war. Das Werk von Meerbaum-Eisinger wird mittlerweile zur Weltliteratur gezählt.

Das deutsch-amerikanische Künstlerpaar Gernot Blume und Julie Spencer stand nach dem Programm für Fragen zur Verfügung und kam mit dem Publikum in einen intensiven Austausch. Ein Abend, der nachwirkte.
Moment, in dem sie ausgesprochen und gesungen wurden, eine erneute ethische Spannung.

Zu beiden Veranstaltungen ist ein Artikel in der OVZ erschienen, den Sie hier nachlesen können (erschienen in Oberbergische Volkszeitung am 5.2.2026, mit freundlicher Genehmigung der Redaktion: Fotograf und Autor Reiner Thies und Ralf Joost)