Bianca Schaalburg: „Der Duft der Kiefern“
Eine Geschichtsstunde der besonderen Art, gefördert von der Antisemitismusbeauftragten des Landes NRW, Sylvia Löhrmann
Die Schullesungen der Berliner Autorin und Illustratorin Bianca Schaalburg erfolgten auf Initiative des Freundeskreis Wiehl/Jokneam, der damit eines seiner wichtigsten Anliegen verfolgte: Die Bekämpfung des gefährlich wiedererstarkenden Antisemitismus im Gefolge des Gazakriegs. Wir vom Freundeskreis waren und sind der Auffassung: Je früher Antisemitismusprävention einsetzt, desto nachhaltiger ist der Effekt. Durch Bildung und Erziehung, durch Pflege der Erinnerungskultur und Förderung des Geschichtsbewusstseins kann dem Hass des Antisemitismus der Nährboden entzogen werden. Wir mussten also versuchen, die junge Generation „mitzunehmen“, einzubeziehen und zu erreichen, damit unsere Bestrebungen nachhaltig sein würden.
Zu diesem Zweck bemühten wir uns, die Autorin und Illustratorin Bianca Schaalburg für eine Lesung aus ihrer Graphic Novel „Der Duft der Kiefern“ (Jugendliteraturpreis 2022) zu gewinnen. In ihrem Werk, einer eindrucksvollen Mischung aus Collagen, Fundstücken, Fotografien und Zeichnungen, begibt sich Bianca Schaalburg auf eine tiefgründige Spurensuche in der Geschichte ihrer eigenen Familie während der NS-Zeit und lüftet bei der Sichtung des großelterlichen Nachlasses Stück für Stück das Schweigen der Nachkriegsgeneration, das allzu bekannte „Wir wussten von nichts.“ Die Zusage von Bianca Schaalburg für die Lesungen hat uns riesig gefreut! Ein weiterer Grund zur Freude war, dass die vom Freundeskreis beantragte finanzielle Förderung der Lesung von der Antisemitismusbeauftragten von NRW, Sylvia Löhrmann, in vollem Umfang bewilligt wurde. Sogar ein digitales Grußwort schickte die Antisemitismusbeauftragte für die Lesung an der TOB Wiehl.
Nachdem Anfang des Jahres der Kontakt zur Autorin Bianca Schaalburg hergestellt worden war, hatte der Verein zunächst bei der Sekundarschule Wiehl TOB, dann auch beim Carl-von-Ossietzky-Gymnasium Bonn angefragt, ob Interesse an einer Lesung bestünde. Beide Schulen signalisierten umgehend große Offenheit und Zustimmung für das Projekt, was sich bei der Realisierung in einer tollen Kooperation und hervorragenden Organisation schulischerseits niederschlug. Dank an beide Schulen – die Sekundarschule Wiehl TOB und das CvO-Gymnasium Bonn, dass sie die Lesung auf ihre Agenda gesetzt und organisatorisch und technisch perfekt vorbereitet haben! Das Echo auf die Lesungen war sowohl auf Seiten der Schulen als auch der Autorin äußerst positiv.
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Resumee: Die Lesung war eine berührende Geschichtsstunde von großer Klasse, die nicht zum Ziel hatte, Schuldgefühle zu wecken, sondern Wissen zu fördern und für Zivilcourage, Toleranz und Menschlichkeit zu sensibilisieren.
Bianca Schaalburg nahm die Schülerinnen und Schüler behutsam in die Vergangenheit mit, zeigte ihnen, wieVergangenheitsbewältigung geht, was es bedeutet, ein Familienerbe anzutreten und damit auch die Vergangenheit der Familie zu erben….wie man mit einem schwierigen Erbe umgeht, es annimmt und sich mit ihm auseinandersetzt: Schritt für Schritt legte sie die Vergangenheit ihrer eigenen Familie in der Zeit des Nationalsozialismus offen, neugierig, mutig und mit Feingefühl sich den teilweise erschreckenden, erschütternden Fakten und Fragen stellend, statt sie zu verdrängen.
Sie blieb dabei immer menschlich, ohne erhobenen Zeigefinger und ermöglichte es den Schülerinnen und Schülern, sich ein eigenes Urteil zu bilden und sich zu identifizieren. Einfach vorbildlich! (jds)






