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Freundeskreis Wiehl/Jokneam e.V.
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Jokneam - Entwicklung der Partnerschaft

Die Entwicklung der Partnerschaft
zwischen Wiehl und Jokneam







Gerhard Hermann


Vorbemerkungen
Begegnungsmaßnahmen
Höhepunkte
Unterstützung und Finanzen
Nahost-Forum
Ausblick

Vorbemerkungen


1996: Besuch einer Gruppe in Jokneam; Ausflug nach Jerusalem, im Hintergrund der Felsendom
Wohl niemand hätte im Jahr 1972 daran gedacht, dass sich aus dem Besuch einer Gruppe aus Israel eine langanhaltende und bisher über mehr als drei Jahrzehnte dauernde Freundschaft entwickeln könnte.

Aber die immer wieder mit Leben erfüllte Verbindung konnte sich so entwickeln, weil auf beiden Seiten Personen dahinter standen und sich so auch persönliche Kontakte über Tausende von Kilometern hinweg entwickelten. Dabei war es nicht unumstritten, dass aus der Freundschaft im Jahr 1991 eine offizielle Partnerschaft wurde. Letztlich hat sich dadurch nichts geändert, denn längst war die Freundschaft zwischen Wiehl und Jokneam weit über das Oberbergische hinaus bekannt geworden. Mehr als 200 Personen aus Wiehl haben mittlerweile die Stadt in der Nähe von Haifa besucht – etwa 350 Besucher aus der Partnerstadt Jokneam waren in den zurückliegenden 32 Jahren zu Gast in Wiehl.

Im Jahre 1989 wurde der Freundeskreis Wiehl/Jokneam e.V. gegründet. Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, in enger Kooperation mit der Stadt Wiehl, Begegnungsmaßnahmen durchzuführen und die bereits bestehenden Kontakte zwischen beiden Städten zu fördern, zu vertiefen und auszubauen. Die Begegnungsmaßnahmen wurden durch den Freundeskreis vorbereitet und durchgeführt. Dazu gehörten Seminare, die thematisch auf die Reise vorbereiteten, aber auch Veranstaltungen, wie Buchlesungen, Ausstellungen und Vorträge.

Begegnungsmaßnahmen


Empfang einer Gruppe aus Jokneam, 1997
In den vergangenen drei Jahrezehnten konnten 14 Gruppen die Gastfreundschaft der israelischen Partnerstadt erleben. In den Seminaren wurden Fragen der Kultur, Religion und Tradition angesprochen. Aber auch die politische Situation Israels und des Nahen Ostens stand immer wieder im Mittelpunkt, ebenso die Geschichte, die unsere beiden Völker in negativer Weise miteinander verbindet.

Daher ist es nur folgerichtig, dass der Besuch der Gedenkstätte Yad Vashem bis heute fester Bestandteil des Programms ist, ebenso der Besuch von Lohame Hagetaot, der Gedenkstätte der Warschauer Ghettokämpfer in der Nähe von Akko.

War das Straßenbild in Israel Anfang der 80er Jahre noch stark vom Militär geprägt, so änderte sich das in späteren Jahren.

Der Libanonkrieg 1982 veranlasste uns, eine damals geplante Reise zu verschieben.

Gespräche über die politische Vergangenheit wurden vereinzelt geführt, konnten aber aufgrund der Begrenzung der beiderseitigen Sprachkenntnisse nicht vertieft werden. Dennoch, die gemeinsamen Besuche in den Gedenkstätten brachten Betroffenheit und nach der anfänglichen Sprachlosigkeit war es auch möglich, über die Gefühle zu sprechen. Umso bedeutender war es dann auch, dass Menachim „der Fotograf“ Hirtenstein, ehemaliger Partisanenkämpfer in Jugoslawien, der die Gruppen und die Freundschaft von Beginn an begleitete, 1987 jungen Leuten an einem Abend seine Erlebnisse im Holocaust berichtete. Er sprach deutsch und kam dadurch in ein gutes Gespräch mit der Gruppe aus überwiegend jungen Leuten. Es war wohl eine Besonderheit im Programm und für die Gruppe 1987, die die Möglichkeit bekam, das palästinensische Dorf Sachnin zu besuchen, da hier ein Seminar mit Reuven Moskovitch stattfand, an dem Israelis und Palästinenser teilnahmen. Damit wurde uns bereits vor fast zwei Jahrzehnten deutlich, in welcher Situation sich die Palästinenser in Israel befanden und wie tief der Konflikt zwischen ihnen war und ist. Es wurde uns aber auch bewusst, wie gering die Bereitschaft unserer Freunde in Jokneam war, sich mit der politischen Situation in ihrem Land bzw. im Nahen Osten näher zu befassen.


Übergabe des Wimpels der Stadt Wiehl an den Bürgermeister von Sachnin, einem palästinensischen Dorf, 1987
Ein weiterer wichtiger Programmpunkt war der Besuch von Neve Shalom, dem Friedensdorf in der Nähe von Jerusalem, mit der Gruppe im Jahr 1996. In diesem Dorf leben Israelis, Palästinenser, Juden, Moslems und Christen zusammen und betreiben gezielt Friedenserziehung. Für unsere Freunde aus Jokneam war dieser Besuch eine Herausforderung und regte anschließend zum Gespräch über politische Standpunkte und Möglichkeiten der Veränderungen an. Unsere Reiseleiter in Israel trugen entscheidend zum Verständnis für Land und Leute bei. Und ihre jeweiligen politischen Standpunkte regten manches – auch kontroverse – Gespräch an.

Zu den Vorbereitungen auf unsere Reisen nach Israel gehörten Informationen über Land und Leute, jüdische Tradition und die aktuelle politische Situation dazu. Für die Programmgestaltung mit den israelischen Gruppen in Deutschland war es uns wichtig, uns durch Besuche der Gedenkstätten des Holocaust gemeinsam der Vergangenheit zu stellen und die Erinnerung an vielfaches Leid nicht zu verdrängen. Wir waren in Buchenwald, Flossenbürg, Dachau und Neuengamme, wie in Saarbrücken und auf dem jüdischen Friedhof in Worms. Mit unseren Besuchen in Berlin, der Gedenkstätte Plötzensee und im Haus der Geschichte in Bonn versuchten wir, unseren Gästen ein Stück deutscher Geschichte nahe zu bringen.

Der Besuch des jüdischen Friedhofs in Nümbrecht ist für alle Gruppen aus Jokneam fester Bestandteil im Programm. Zur Neugestaltung der Gedenkstätte am jüdischen Friedhof brachte die Gruppe 1994 Jerusalemsteine und eine Gedenkplatte mit, die mit einer kleinen Zeremonie dort angebracht wurden.

Ein wichtiger Aspekt bei den Besuchen der Gruppe aus Jokneam war immer wieder der unmittelbare Kontakt. Dieser wurde bei den Grillfesten, die auf Einladung der Sparkasse stattfanden, gepflegt. Aber es wurde auch versucht, den Kontakt zwischen Jugendlichen bei einem Besuch im „Checkpoint“ herzustellen.

Hervorzuheben ist der Besuch des Jugendorchesters, der letzten Gruppe im Jahr 2003. Hier kam es zu Gesprächen der Mitglieder des Jugendorchesters mit einer Klasse 10 des Gymnasiums Wiehl und mit Schülerinnen und Schülern im Aufbaugymnasium Halver. Es ging um Fragen des Alltags, aber auch um die politische Situation im Nahen Osten. Dieser Bereich des unmittelbaren Austausches muss in Zukunft sicherlich weiter verstärkt werden.

Höhepunkte


Der Wiehler "Nachtexpress" vor der Kulisse der Altstadt Jerusalems
Natürlich ist ein wichtiger Höhepunkt in der Geschichte zwischen Wiehl und Jokneam die Unterzeichnung der Partnerschaft. Längst war die Freundschaft in Deutschland und Israel bekannt durch Vorträge und Seminare, aber auch durch den guten Kontakt zur Botschaft. So kann man letztlich auch sagen, dass sich durch die Unterzeichnung der Urkunden der Status geändert hat, aber die Partnerschaft weitergeführt wurde wie bisher. Beide Seiten haben im November 1991 betont, dass Partnerschaften mit dazu beitragen, Brücken zwischen Völkern zu bauen und dies zwischen unseren Ländern weiterhin wichtig ist. Und so sind alle Verantwortlichen der Partnerschaft auch Brückenbauer des Friedens. Für die damalige Delegation war der Empfang durch Izhak Rabin ein unvergessliches Erlebnis, er stellte seine Friedensvisionen dar. Das Attentat genau 4 Jahre später war ein Schock für die israelische Bevölkerung, aber es traf auch uns, da wir die Entwicklungen des Friedensprozess und die Veränderungen bis dahin miterleben konnten.

Die 50-Jahr-Feier des Staates Israel im Jahr 1998 wird ein unvergesslicher Meilenstein bleiben. Vertreter aller Partnerstädte weltweit trafen sich in Jerusalem. um dieses Ereignis miteinander zu feiern. Simon Peres, Inhaber des Friedensnobelpreises, skizzierte seine Vorstellungen einer friedlichen Region im Nahen Osten, in der es ein Miteinander von Israelis und Palästinensern geben muss, bis hin zum kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Austausch. Der enorme wirtschaftliche Unterschied müsse verändert werden und es müsse zur Partnerschaft kommen. Friedensvisionen, von denen wir heute weiter entfernt sind als damals.

1999 erhielten Iris und Gerhard Hermann eine besondere Auszeichnung der Stadt Jokneam, die einer Ehrenbürgerschaft nahe kommt.

50 Jahre Jokneam, auch dieses Ereignis wurde unter Beteiligung der Partnerstädte im Jahr 2000 gefeiert. Wir erlebten, wie wichtig den Verantwortlichen in Jokneam die Partnerschaften sind: Vertreter aus der französischen Partnerstadt waren ebenso anwesend wie die Vertreter der Partnerstadt aus China.

Es war beeindruckend, die Entwicklung der Stadt (und damit des Staates Israel) als Musical dargestellt zu bekommen. Eine riesige Freilichtbühne mit Hunderten von kleinen und großen Akteuren begeisterte in bunten und abwechslungsreichen Szenen und Kulissen das Publikum. Die Installation von Hinweis- und Entfernungsschildern zu allen Partnerstädten und ein Empfang im Rathaus mit allen Vertretern der Partnerstädte rückte auch noch einmal die Partnerschaft zwischen Wiehl und Jokneam in den Vordergrund.

Unterstützung und Finanzen

Die bis heute anhaltende Partnerschaft zwischen Wiehl und Jokneam war dadurch möglich, dass zwischen den Verantwortlichen in Verwaltung und Rat auf der einen Seite und dem Freundeskreis auf der anderen eine gute Zusammenarbeit besteht. Auch erfährt die Partnerschaft immer wieder große Wertschätzung in der Bevölkerung, so dass es keine Schwierigkeiten gibt, Gastquartiere zu finden.

Die aufwändigen Programme, aber auch die Durchführungen der Veranstaltungen waren nur durch finanzielle Unterstützung der Sparkasse und der Volksbank sowie heimischer Unternehmen möglich. Auch durch privates Engagement wurde ein großer Teil der Kosten und des Aufwandes mitgetragen.

Unterstützung hat der Freundeskreis Wiehl/Jokneam e.V. auch durch die heimischen Künstler erfahren, die sich sehr großzügig zeigten, wenn es darum ging, ein passendes Gastgeschenk auszuwählen. So kann der Besucher in Jokneam Kunstobjekte von Friedrich Böhmches, Eugen Daub, Carmen Brüne und Julia Prejmerean-Aston wiederfinden.

Nahost-Forum

Als herausragendes Ereignis, auf das gesondert eingegangen wird, ist das Nahost-Forum zu nennen. Aus der unmittelbaren politischen Situation, die in immer weiterer Eskalation ihren Fortgang in Gewalt und Gegengewalt nur noch mehr Todesopfer auf beiden Seiten zu beklagen hatte, kam der Vorstand des Freundeskreises Wiehl/Jokneam zu dem Entschluss, dieses Forum durchzuführen.

Ausblick

Bisher war es üblich, dass ein regelmäßiger Austausch stattfand. Eine Gruppe aus Wiehl besuchte die Partnerstadt und im Jahr darauf fand der Gegenbesuch statt.

Dabei hat der Besucher in Israel nicht viel von den Unruhen erlebt, die wir fast allabendlich im Fernsehen mit verfolgen können. Bedingt durch die schwierige Lage im Nahen Osten war die letzte Gruppe im Jahr 1999 zu Gast in Jokneam. Eine Einladung für den Besuch einer Gruppe aus Wiehl liegt aber vor. Abzuwarten ist die weitere politische Entwicklung.

Zwischen 1973 und 1999 bereisten 14 Gruppen aus Wiehl die Partnerstadt Jokneam und aus Jokneam waren 15 offizielle Gruppen zu Gast in Wiehl.

Bei allen politischen Meinungsunterschieden ist es für uns auch in Zukunft wichtig, dass die persönliche Freundschaft zwischen den Menschen dazu beiträgt, Brücken zu bauen. Einen Beitrag dazu hat auch die Künstlerin Nurit Dreizin aus Jokneam mit Ihrem Relief in der Sparkasse Wiehl geleistet, das sie im Jahr 2000 zusammen mit ihrem Mann Rafi Dreizin installierte. Es soll als Symbol an die bestehende Beziehung zwischen Wiehl und Jokneam erinnern. Wir möchten an dieser Stelle Herrn Wolfgang-Ludwig Mehren herzlich danken, der diese Installation ermöglichte.